Manchmal braucht eine außergewöhnliche Performance keine große Bühne. Ein freier Platz mitten in der Landshuter Altstadt, ein Kreis aus Zuschauern, ein paar Lichtquellen – und eine Künstlerin, die es innerhalb weniger Augenblicke schafft, alle Blicke auf sich zu ziehen.
Genau so einen Moment durfte ich beim Spektakel Landshut 2026 fotografisch erleben.
Mitten im Trubel des Straßenkunstfestivals entdeckte ich Pauline Zoè alias Zoè Circo. Mit ihrer Performance „EsFeRa“ verbindet sie Bewegung, Akrobatik und kreisförmige Elemente zu einer außergewöhnlichen Show.
Und gerade diese Kreise machen die Darbietung auch fotografisch besonders interessant.

Zoè Circo beim Spektakel Landshut 2026 – Artistin und Cyr Wheel verschmelzen für einen kurzen Augenblick zu einer gemeinsamen Form.
Dieses Bild würde ich als Haupt-Beitragsbild verwenden und nicht zusätzlich direkt im Text wiederholen, wenn Blocksy es bereits automatisch über dem Artikel anzeigt.
Wenn Bewegung zur Geometrie wird
Besonders faszinierend ist das große Cyr Wheel.
Während der Performance wird der Ring nicht einfach nur als Requisit verwendet. Körper, Bewegung und Kreis bilden ständig neue Formen. Mal steht die Künstlerin scheinbar schwerelos darin, wenige Sekunden später kippt und dreht sich die gesamte Konstruktion.
Für mich als Fotograf entstehen dadurch praktisch ununterbrochen neue Bildkompositionen.

Farbe, Bewegung und Publikum: Zoè Circo während ihrer Cyr-Wheel-Performance mitten in der Landshuter Altstadt.
Fotografieren bei wenig Licht
Fotografisch sind solche Auftritte durchaus anspruchsvoll.
Die Bewegungen sind schnell, ihre Richtung lässt sich nicht immer vorhersehen und gleichzeitig sind die Lichtverhältnisse am Abend alles andere als optimal.
Bei einigen Aufnahmen landete ich deshalb beispielsweise bei:
70 mm · f/2.8 · 1/640 s · ISO 12.800
In solchen Situationen akzeptiere ich lieber einen höheren ISO-Wert, als durch eine zu lange Verschlusszeit den entscheidenden Moment zu verlieren.
Denn für mich gilt bei der Actionfotografie:
Der Moment ist wichtiger als ein technisch vollkommen rauschfreies Bild.

Reduziert auf Licht, Körperhaltung und Form: In Schwarzweiß tritt die besondere Geometrie der Performance noch stärker hervor.
Immer einen Augenblick vorausdenken
Bei einer solchen Performance kann man nicht darauf warten, dass eine Bewegung noch einmal genauso wiederholt wird.
Man beobachtet die Bewegungsrichtung, versucht vorauszuahnen, wohin sich der Ring als Nächstes bewegt, und achtet gleichzeitig darauf, was im Hintergrund passiert.
Gerade mit dem Canon RF 70–200 mm F2.8 konnte ich dabei schnell zwischen weiteren Szenen und engeren Bildausschnitten wechseln.

Nur Sekundenbruchteile entscheiden über die Bildwirkung – Bewegung, Licht und Körperhaltung treffen hier für einen kurzen Moment zusammen.
Das Publikum gehört zur Geschichte
Bei dieser Serie wollte ich die Künstlerin bewusst nicht vollständig vom Hintergrund isolieren.
Denn beim Spektakel gehört das Publikum zur Geschichte.
Die Zuschauer stehen nur wenige Meter entfernt und verfolgen jede Bewegung. Dadurch entsteht eine Nähe zwischen Künstler und Publikum, die Straßenkunst von vielen klassischen Bühnenveranstaltungen unterscheidet.

Straßenkunst lebt von der unmittelbaren Nähe: Requisiten, Künstlerin und Zuschauer werden zu einem gemeinsamen Teil der Szene.
Farbe oder Schwarzweiß?
Bei der späteren Bildauswahl wurde schnell klar, dass diese Serie für mich in zwei völlig unterschiedlichen Bildsprachen funktioniert.
Einige Aufnahmen leben von den kräftigen Farben, dem warmen Licht und den vielen Menschen im Hintergrund.
Andere Bilder gewinnen dagegen deutlich, wenn die Farbe verschwindet.

Ohne Farbe konzentriert sich der Blick vollständig auf Körperhaltung, Licht und die kreisrunde Form des Cyr Wheels.
Deshalb habe ich mich bewusst dagegen entschieden, die komplette Serie nur in Farbe oder nur in Schwarzweiß zu zeigen.
Die Farbbilder erzählen etwas über die Atmosphäre des Abends.
Die Schwarzweißaufnahmen konzentrieren sich stärker auf Form, Licht und Bewegung.
Sekunden, die nur einmal existieren
Straßenkunst ist fotografisch besonders reizvoll, weil kaum etwas kontrollierbar ist.
Keine perfekt gesetzte Studiobeleuchtung.
Keine festgelegte Position.
Und meistens keine Möglichkeit zu sagen: „Mach diese Bewegung bitte noch einmal.“

Bildbeschreibung:
Licht, Bewegung und Ausdruck – bei schnellen Performances bleibt oft nur ein sehr kurzes Zeitfenster für die Aufnahme.
Man beobachtet.
Man wartet.
Und manchmal gibt es diesen Bruchteil einer Sekunde, in dem Bewegung, Licht und Bildkomposition zusammenpassen.
Genau wegen solcher Augenblicke fotografiere ich Veranstaltungen wie das Spektakel so gerne.
Ein Kreis – unzählige Motive
Was mich beim Durchsehen der Bilder besonders fasziniert hat: Obwohl immer wieder derselbe große Ring zu sehen ist, wirkt er auf nahezu jedem Foto anders.
Je nach Perspektive wird aus dem Kreis eine Ellipse.
Er wird zum Rahmen für die Künstlerin.
Er teilt das Bild.
Oder verbindet Künstlerin und Publikum miteinander.

Auch in einem ruhigeren Moment bleibt der Kreis das bestimmende Gestaltungselement der Performance.
Dieses Bild würde ich bewusst ziemlich weit ans Ende setzen. Es bringt nach den dynamischeren Bildern etwas Ruhe in die Serie.
Spektakel Landshut – ein fotografischer Spielplatz
Solche Veranstaltungen zeigen mir immer wieder, wie vielfältig Fotografie sein kann.
Innerhalb weniger Minuten geht es um Actionfotografie, Available Light, Reportage, Bildgestaltung und vor allem das richtige Timing.
Und man weiß vorher nie, welches Bild später dasjenige sein wird, das einem besonders im Gedächtnis bleibt.
Die Performance von Zoè Circo beim Spektakel Landshut 2026 war für mich genau eine dieser Begegnungen.
Eine Künstlerin.
Ein Kreis.
Viele Bewegungen.
Und am Ende eine Bildserie, die die besondere Atmosphäre dieses Abends festhält.
Aufnahmetechnik
Kamera: Canon EOS R5 Mark II
Objektiv: Canon RF 70–200 mm F2.8
Aufnahmesituation: Available Light / Straßenkunst am Abend
Beispielaufnahme: 70 mm · f/2.8 · 1/640 s · ISO 12.800
Bearbeitung: Kombination aus Farbe und Schwarzweiß
Weitere Informationen
Wer mehr über Zoè Circo und ihre Performance „EsFeRa“ erfahren möchte, findet weitere Informationen auf der offiziellen Künstlerseite des Spektakel Landshut sowie auf der Website von Pauline Zoè. Einen Überblick über das gesamte Festival und die weiteren Künstler gibt es auf der offiziellen Seite des Spektakel Landshut.

