Canon RF 70–200mm F2.8 L IS USM in der Praxis
Wer mit einem Teleobjektiv Sport fotografiert, kennt diese kleinen Schalter an der Seite des Objektivs. AF/MF, Stabilizer ON/OFF – und dann gibt es bei vielen professionellen Canon-Teleobjektiven noch die Wahl zwischen Stabilizer Mode 1, 2 und 3.
Aber welcher Modus ist eigentlich der richtige, wenn vor der Kamera schnelle Action stattfindet?
Genau diese Frage ist besonders bei Sportarten wie Eishockey interessant. Spieler beschleunigen, bremsen, wechseln abrupt die Richtung und verschwinden innerhalb weniger Sekunden aus dem eigenen Bildausschnitt. Das Motiv bewegt sich also alles andere als vorhersehbar.
Bei meinem Canon RF 70–200mm F2.8 L IS USM in Verbindung mit der Canon EOS R5 Mark II ist deshalb für die meisten meiner Sportaufnahmen eine Einstellung besonders interessant:
Stabilizer ON – Mode 3.
Doch schauen wir uns zunächst an, was die drei Modi überhaupt machen.

Wozu brauche ich den Bildstabilisator bei Sport überhaupt?
Gerade bei modernen Kameras und lichtstarken Teleobjektiven könnte man sich zunächst fragen, ob ein Bildstabilisator bei Sportfotografie überhaupt eine große Rolle spielt.
Schließlich fotografiere ich schnelle Bewegungen normalerweise mit sehr kurzen Verschlusszeiten – häufig etwa mit 1/1000 Sekunde, 1/1250 Sekunde oder noch kürzer.
Der entscheidende Punkt dabei:
Eine kurze Verschlusszeit und ein Bildstabilisator lösen zwei unterschiedliche Probleme.
Die Verschlusszeit friert die Bewegung des Sportlers ein.
Der Bildstabilisator reduziert dagegen Bewegungen, die durch den Fotografen selbst entstehen – also beispielsweise leichte Verwacklungen beim Halten und Nachführen der Kamera.
Gerade bei Brennweiten zwischen 135 und 200 mm können bereits kleine Bewegungen deutlich sichtbar werden.
Der Stabilisator ersetzt deshalb keine kurze Verschlusszeit. Er kann die Aufnahme aber zusätzlich unterstützen und das Arbeiten mit einem Teleobjektiv angenehmer machen.
Stabilizer Mode 1 – der klassische Modus
Mode 1 ist gewissermaßen der universelle Bildstabilisierungsmodus.
Er eignet sich besonders für:
- weitgehend statische Motive
- ruhige Aufnahmesituationen
- Portraits
- Landschaften
- Motive mit wenig Bewegung
Die Kamera beziehungsweise das Objektiv versucht dabei kontinuierlich, Bewegungen des Fotografen auszugleichen.
Für viele fotografische Situationen ist Mode 1 deshalb vollkommen richtig.
Bei schneller Sportfotografie ist er für mich allerdings nicht unbedingt die erste Wahl.
Warum?
Beim Verfolgen eines Spielers bewege ich die Kamera teilweise sehr schnell. Genau diese Bewegung soll natürlich nicht vom Bildstabilisator „bekämpft“ werden.
Und hier kommen die beiden anderen Modi ins Spiel.

Stabilizer Mode 2 – perfekt für Mitzieher
Mode 2 wurde vor allem für sogenannte Mitzieher beziehungsweise Panning-Aufnahmen entwickelt.
Dabei verfolgt die Kamera ein bewegtes Motiv während der Aufnahme.
Ein klassisches Beispiel wäre:
- Motorsport
- Fahrradrennen
- Läufer
- Tiere in gleichmäßiger Bewegung
- oder ein Sportler, der relativ konstant durch den Bildausschnitt läuft
Das Ziel solcher Aufnahmen kann beispielsweise sein, den Sportler scharf darzustellen und gleichzeitig durch eine längere Verschlusszeit einen dynamisch verwischten Hintergrund zu erzeugen.
Der Bildstabilisator berücksichtigt dabei die Bewegung der Kamera und korrigiert vor allem die Bewegungsrichtung, die nicht zum eigentlichen Mitziehen gehört.
Mode 2 ist deshalb hervorragend geeignet, wenn man einen bewussten und kontrollierten Schwenk macht.
Bei extrem unvorhersehbaren Bewegungen – wie beispielsweise beim Eishockey – gibt es allerdings noch eine interessantere Variante.
Stabilizer Mode 3 – meine bevorzugte Einstellung für Sport
Und damit kommen wir zu dem Modus, den ich bei schneller und unberechenbarer Action besonders interessant finde:
Mode 3.
Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass die eigentliche Stabilisierung im Wesentlichen erst für die Aufnahme aktiviert wird.
Während ich also einen Spieler durch den Sucher verfolge, versucht der Stabilisator nicht permanent, jede meiner Kamerabewegungen auszugleichen.
Das kann gerade bei schnellen Richtungswechseln sehr angenehm sein.
Beim Eishockey beispielsweise weiß ich häufig nicht, was innerhalb der nächsten Sekunde passiert:
Der Spieler fährt Richtung Tor.
Dann kommt ein Gegenspieler.
Es folgt ein schneller Richtungswechsel.
Der Puck geht auf die andere Seite.
Innerhalb kürzester Zeit muss die Kamera teilweise vollkommen neu ausgerichtet werden.
Genau für solche Situationen wurde Mode 3 entwickelt.
Er eignet sich besonders gut für Motive mit:
- schnellen Richtungswechseln
- unvorhersehbaren Bewegungen
- abruptem Beschleunigen und Abbremsen
- wechselnden Bewegungsrichtungen
Deshalb ist Mode 3 für mich eine sehr sinnvolle Grundeinstellung bei klassischer Action- und Sportfotografie.
Meine Einstellung für Sportaufnahmen
Bei meinem RF 70–200 mm sieht die Grundeinstellung deshalb meist relativ einfach aus:
Stabilizer: ON
Stabilizer Mode: 3
Dazu kommen je nach Sportart und Lichtsituation entsprechend kurze Verschlusszeiten.
Bei schneller Action bewege ich mich häufig in einem Bereich von ungefähr:
1/1000 bis 1/2000 Sekunde
oder teilweise sogar noch kürzer.
Bei Hallensport muss dabei natürlich immer ein Kompromiss zwischen Verschlusszeit, Blende und ISO gefunden werden.
Gerade mit einem lichtstarken 70–200 mm F2.8 hat man hier allerdings einen erheblichen Vorteil.

Welchen Modus würde ich wann verwenden?
Als einfache Orientierung kann man sich die drei Modi ungefähr so merken:
| Situation | Stabilizer Mode |
|---|---|
| Ruhige oder weitgehend statische Motive | Mode 1 |
| Gezielte Mitzieher und gleichmäßige Bewegung | Mode 2 |
| Schnelle, unvorhersehbare Sport- und Actionmotive | Mode 3 |
Natürlich gibt es keine Einstellung, die unter allen Bedingungen zwingend die beste sein muss.
Fotografie bleibt immer situationsabhängig.
Für mich ist diese Aufteilung aber eine sehr gute Ausgangsbasis.
Der Stabilisator macht einen schnellen Sportler nicht scharf
Ein Punkt ist mir dabei besonders wichtig.
Manchmal entsteht der Eindruck, ein guter Bildstabilisator könne Bewegungsunschärfe grundsätzlich verhindern.
Das ist nicht der Fall.
Wenn ein Eishockeyspieler mit hoher Geschwindigkeit durch das Bild fährt und ich beispielsweise mit 1/100 Sekundefotografiere, kann der Bildstabilisator zwar meine eigene Kamerabewegung reduzieren.
Die Bewegung des Spielers bleibt trotzdem bestehen.
Um schnelle Action einzufrieren, brauche ich deshalb weiterhin eine entsprechend kurze Verschlusszeit.
Bei sehr schnellen Sportarten sind 1/1000 Sekunde oder kürzer für mich deshalb häufig ein guter Ausgangspunkt.
Erst die Kombination aus:
- kurzer Verschlusszeit
- zuverlässigem Autofokus
- richtigem Timing
- passender Brennweite
- und sinnvoll eingesetztem Bildstabilisator
führt letztlich zu einer hohen Trefferquote.
Warum ich Mode 3 gerade beim Eishockey sinnvoll finde
Eishockey gehört fotografisch sicherlich zu den anspruchsvolleren Sportarten.
Das Spiel ist schnell.
Die Bewegungsrichtung verändert sich permanent.
Spieler überschneiden sich.
Der Puck ist klein und schnell.
Dazu kommen teilweise schwierige Lichtverhältnisse in der Halle.
Während eines Spiels muss die Kamera deshalb sehr häufig und sehr schnell nachgeführt werden.
Genau deshalb möchte ich möglichst wenig Technik haben, die sich beim Verfolgen des Motivs „unnatürlich“ anfühlt.
Mode 3 passt für mich sehr gut zu dieser Arbeitsweise.
Die Kamera kann frei und schnell geführt werden – und im entscheidenden Moment unterstützt der Bildstabilisator die Aufnahme.

Mode 2 trotzdem nicht vergessen
Mode 3 ist deshalb aber keinesfalls automatisch für jede Sportaufnahme die beste Wahl.
Wenn ich bewusst einen klassischen Mitzieher fotografieren möchte, würde ich beispielsweise auf Mode 2 wechseln.
Statt mit 1/1000 Sekunde könnte man bei solchen Aufnahmen bewusst mit deutlich längeren Verschlusszeiten experimentieren.
Dadurch entsteht Bewegung im Hintergrund, während das Hauptmotiv möglichst scharf bleibt.
Das Ergebnis kann wesentlich dynamischer wirken als eine komplett eingefrorene Bewegung.
Mode 2 und Mode 3 verfolgen deshalb eigentlich zwei unterschiedliche fotografische Ansätze:
Mode 2 unterstützt den kontrollierten Mitzieher.
Mode 3 unterstützt das spontane Verfolgen unvorhersehbarer Action.
Mein Fazit
Wer schnelle Sportarten mit einem Canon-Teleobjektiv fotografiert und sich fragt, welchen Stabilizer-Modus er verwenden sollte, für den ist Mode 3 definitiv einen Versuch wert.
Bei Sportarten wie Eishockey, Fußball oder ähnlichen Action-Situationen mit schnellen und schwer vorhersehbaren Bewegungen ist er für mich eine sehr sinnvolle Grundeinstellung.
Meine einfache Merkhilfe lautet deshalb:
Mode 1 – ruhig.
Mode 2 – mitziehen.
Mode 3 – Action.
Und trotzdem gilt wie so oft in der Fotografie:
Nicht die Einstellung auf dem Objektiv macht am Ende das gute Foto.
Sie hilft uns lediglich dabei, im entscheidenden Moment technisch möglichst wenig im Weg zu haben.
Denn am Ende zählen immer noch der Blick für die Situation, das Timing – und manchmal auch die berühmte Portion Glück.
Verwendete Ausrüstung
Kamera: Canon EOS R5 Mark II
Objektiv: Canon RF 70–200mm F2.8 L IS USM
Einsatzgebiet: Sport- und Actionfotografie

